Tänzer

Profitänzer Javier Torres bei der tanzmedizinischen Rehabilitation im medicos.AufSchalke

Herr Torres, 45 Jahre, arbeitete seit 1991 als Balletttänzer, Trainer und Choreograph für das finnischen Nationalballett in Helsinki. Zurzeit ist er als freiberuflicher Lehrer für verschiedene Unternehmen tätig. Im August wurde er im Rehabilitationszentrum medicos.AufSchalke in Gelsenkirchen behandelt.

In diesem Interview spricht er über seine körperliche Situation und die Behandlung im medicos.AufSchalke, die er als „besonders“ betitelt.

Medizinische Trainingstherapie (v.l. Javier Torres; Stuart Rickards, Physiotherapeut medicos)

An welchem funktionellen Defizit leiden Sie, dass Sie sich nach einem Rehabilitationszentrum umschauen?

Alles begann 2005. Ich empfand seit geraumer Zeit einen leichten Schwindel und hatte regelmäßig wiederkehrende Kopfschmerzen. Zudem bekam ich Panikattacken. Mein behandelnder Arzt verschrieb mir Antidepressiva in ganz geringer Menge, um die Schmerztoleranz heraufzusetzen. Innerhalb von drei Monaten sollte mein Problem dann behoben sein. Allerdings verschlechterte sich mein Zustand im Herbst 2007. Mein Nacken war dauerhaft verspannt, ich hatte unglaubliche Migräneanfälle. Mein Verdauungssystem rebellierte. Zu alledem verletzte ich mich, so dass ich nur noch mit Krücken mobil war. Obwohl ich nach ein paar Monaten wieder ohne Krücken laufen konnte, wurde mein
physiologischer Zustand nicht mehr komplett hergestellt und verschlechterte sich im Februar 2008 dramatisch.

Die Ärzte, die Sie behandelten fanden zu keinem Zeitpunkt die Ursache für Ihren schlechten funktionellen Zustand?

2005 wurde mir eine leichte Schiefstellung meines Körpers diagnostiziert. Die Ärzte, Physiotherapeuten, Osteopathen und Chiropraktiker konnten allerdings nicht verstehen woher die Probleme kamen, da alle meine Blutergebnisse, Röntgenaufnahmen und Kernspinbilder funktionell in Ordnung waren. Im Februar 2008 wies mich ein Physiotherapeut auf eine Fehlstellung meiner Füße hin. Diese Fehlstellung
beeinflusste - wie sich herausstellte - meinen Nacken, meine Schulter und meine Hüfte und war ursprünglich für meine Dysbalance verantwortlich. Augenscheinlich waren die letzten sieben Jahre, in welchen ich mein Training als Balletttänzer einstellte, dafür ausschlaggebend.

Herr Torres, Sie wohnen in Finnland und arbeiten mit verschiedenen internationalen Ballettschulen zusammen. Wie haben Sie dabei von medicos.AufSchalke erfahren? Was brachte Sie aus Finnland nach Deutschland zu medicos.AufSchalke?

Als ich mir meiner Funktionsstörung bewusst war, fing ich an mich in meinem Bekanntenkreis nach guten Rehabilitations-Zentren in Deutschland zu erkundigen. Ich wusste, dass sich einige meiner Freunde in Deutschland behandeln ließen. Über den Verein
TanzMedizin Deutschland e.V. „Tamed“ kam ich in Kontakt mit Frau Dr. Exner-Grave, die kurze Zeit zuvor eine Anstellung als Oberärztin im medicos.AufSchalke eingenommen hatte.

Wie wurden Sie therapiert und wie war der genaue Ablauf?

Nach einem ersten Check-Up durch Frau Dr. Exner-Grave wurde als zweites mein Bewegungsapparat in der Leistungsdiagnostik analysiert. Aufgrund dieser Auswertungen in der Leistungsdiagnostik erhielt ich einen Therapieplan, der Osteopathie, Training auf der MTT-Fläche, Wassergymnastik und Massagen beinhaltete.

Was macht medicos.AufSchalke so besonders im Vergleich zu anderen Rehabilitations-Zentren?

Als aller erstes muss die sehr gute Kompetenz sowohl der Ärzte als auch der Therapeuten hervorgehoben werden. Die Physiotherapeutin, mit welcher ich tagtäglich zusammenarbeitete, hatte sowohl eine Ausbildung in Physiotherapie als auch in Osteopathie, was in dieser Kombination nur sehr selten vorkommt. Mein Therapeut, der mich während der Wassereinheiten betreute, weist ein sehr breites Spektrum in verschiednen Rehabilitationstechniken auf.

Als zweites sollte die warme Atmosphäre im medicos.AufSchalke hervorgehoben werden. Nach ein paar Wochen fühlte ich mich wie ein Mitglied im medicos. Jeder hatte ein offenes Ohr für mich und ich wurde von allen Seiten unterstützt. Zuletzt muss noch auf die einzigartige Architektur und die erstklassige Ausstattung im medicos.AufSchalke hinweisen. Ich bezweifle sehr stark, diese Ausstattung in einem anderen Rehabilitations-Center so aufzufinden.

Wie ich sehe haben Sie Ihren Aufenthalt im medicos.AufSchalke genießen können und auch während Ihres Aufenthaltes die Freude und den Spaß am Leben nicht verloren. Wie schaut es aber mit Ihren Therapien aus? Konnten Sie Fortschritte erzielen?

Im medicos.AufSchalke habe ich gelernt, dass der Spaß ein wesentlicher Faktor für das Fortschreiten des gesundheitlichen Prozesses ist. Nach langer Zeit konnte ich zum ersten Mal wieder ohne Schmerzen gehen und zudem Ballett-Bewegungen machen, die ich fast schon als
Historie abgeschrieben hatte. Natürlich muss ich meine Kondition und mein Training ausbauen und darf dies nicht einreißen lassen.

Eine abschließende Frage noch Herr Torres, würden Sie wieder ins medicos.AufSchalke kommen?

Auf jeden Fall. medicos.AufSchalke war eine sehr bedeutende und wachsende Erfahrung für mich. An meinem letzten Therapietag gaben Frau Dr. Exner-Grave und ich einen Workshop in Tanzmedizin. Während dieses Workshops verspürte ich Hoffnung in zweierlei Hinsicht.
Einmal die Hoffnung für mich, dass sich meine Funktionalität wieder komplett einstellt und die Hoffnung für viele weitere verletzte Tänzer hier, im medicos.AufSchalke, ihre physiologischen Funktionen wieder hergestellt zu bekommen. Alles Gute für die Pläne, eine Rehabilitationsabteilung für verletzte Tänzer im medicos.AufSchalke einzurichten.

Vielen Dank für Ihre Zeit Herr Torres.

v.l. Dr. Exner-Grave, Javier Torres, Stuart Rickards

Interview: 01.02.2009
Geführt von: Carmen Wagner