Fitness-Selbstversuch

Redakteur des Bueraner Magazin auf der medicos.Gesundheitsstraße® zum Fitness-Selbstversuch

Teil 1 - Sechs Monate Gesundheitsstraße

Fitness-Selbstversuch eines Nichtsportlers


Vor ein paar Monaten hatten wir zum ersten Mal über „medicos.aufSchalke und die medicos.Gesundheitsstraße berichtet. Ziel des Angebots Gesundheitsstraße ist nach eigenen Angaben, den Trainingsteilnehmern zu helfen, „Individuelle Schwächen und einseitige Bewegungsmuster auszugleichen, das Herz-Kreislaufsystem zu stärken und die Mobilität und Flexibilität von Gelenken und der Muskulatur zu kräftigen und beizubehalten.“

Michael Otterbein

Im Gegensatz zum Durchschnitts-Fitnesscenter wird hier jeder Trainingsteilnehmer vorab intensiv sportmedizinisch und sportwissenschaftlich untersucht und getestet, um darauf basierend ein individuell abgestimmtes Trainingsprogramm zu starten. Und nun zu mir: Auch wenn man seit gefühlten 200 Jahren keinen Sport mehr gemacht hat, ist einem doch bewusst, dass es überhaupt nicht schaden könnte, den eigenen Körper ab und zu etwas in Bewegung zu bringen.

Gut, nicht jeder Sportverweigerer endet schließlich am Stock oder bekommt einen Herzinfarkt. Aber auf Dauer spürt man doch, dass man steif und kurzatmig wird, wenn man sich immer nur vom Bürostuhl über den Autositz zur heimischen Couch bewegt. Also reifte in mir irgendwann der Gedanke, dass vielleicht gerade ich mich auf die Gesundheitsstraße begeben sollte, um dem fortschreitenden Einrosten zuvor zu kommen. Schnell war vereinbart, dass ich sechs Monate bei medicos schwitzen darf, wenn ich unsere Leser regelmäßig über meine Trainingsfortschritte und meinen heroischen Kampf gegen den inneren Schweinehund informiere. Das heißt, dass ich Ihnen von jetzt an in den nächsten BUERANER-Ausgaben erzählen werde, wie es mir in der unbekannten Welt des Trainings ergeht. – Und wer weiß – vielleicht sehen wir uns demnächst sogar irgendwann auf dem Trainingsfahrrad mit Blick auf die VeltinsArena…

Teil 2 - Jetzt wirds ernst


Der Einstieg für meinen sportlichen Selbstversuch ist die Gesundheitsdiagnostik, wie sie im Medicos-Trainingsprogramm „Gesundheitsstraße®“ vorgesehen ist. Also finde ich mich an einem Dienstagmittag mit Sportzeug in der Leistungsdiagnostik ein. Zuerst natürlich ein Fragebogen und ein Gespräch mit dem Arzt, dann Blutabzapfen, Messen und Wiegen, EKG und Bestimmung des Körperfettanteils. Anschließend ein Gleichgewichtstest – ich muss auf zwei und dann auf einem Bein auf einer beweglichen Platte balancieren. Mit geschlossenen Augen gar nicht so einfach. Aber der sportliche Teil geht weiter: eine RumpfKraft-Testung, bei der man mit Rücken und Bauch maximal gegen einen unüberwindbaren Widerstand drücken muss. Schließ- lich wird es dann auch noch schweißtreibend. Bei der „Spiroergometrie“ darf ich Fahrradfahren, während Blutdruck, Herzfrequenz und Sauerstoffaufnahme gemessen werden. Dabei wird der „Berg“, den ich hinauffahren darf immer steiler.

Fitness-Selbstversuch eines Nichtsportlers

Eine gute Woche später morgens um halb Neun trete ich zum ersten Training an. Zuerst darf ich aber mit meiner Trainingsbetreuerin Marion Hülsmann die Ergebnisse der Leistungsdiagnostik besprechen. Ich bekomme eine Mappe mit vielen bunten Diagrammen: Mein Körperfettanteil ist zu hoch, mein Körperkoordination wackelig und die Ergospirometrie zeigt, dass meine körperliche Fitness ausbaufähig ist. Daraufhin maßgeschneidert wird mein Trainingsprogramm: erst einmal mindestens 10 Minuten aufs Fahrrad, dann Gleichgewichtstraining: Ich balanciere auf einer unten abgerundeten Kunststoffplatte. Fünf mal zehn Sekunden nur auf dem rechten Bein, fünf mal zehn Sekunden als linksbeiniger Flamingo. Dann das schwebende Bein zehnmal seitlich strecken. Da müssen wir noch dran arbeiten...

Der Hauptteil des Trainings sind die Kraftgeräte: Ruderzug, Bankdrücken, Rückenstrecker, Beinpresse, usw.. Alle bisher untrainierten Muskelpartien sollen regelmäßig mit Gewichten traktiert werden. Marion weist mich an jedem Gerät intensiv ein, prüft mit mir, wie viel Gewichte am Anfang sinnvoll sind und zeigt mir, wie ich die Bewegungen sauber ausführe. Ich ziehe beidarmig, drücke mit den Armen oder mit dem Rücken und presse mit den Beinen. An jedem Gerät 15-20 Wiederholungen bei drei Durchgängen. An manchen Stationen kein Problem, an anderen komme ich schnell an meine Grenzen, auch wenn das erst die Anfangsstufe ist. Zum Schluss darf ich noch auf den CrossTrainer auch mindestens zehn Minuten. Ganz schön heftig für einen Sesselathleten wie mich. - Am nächsten Morgen werde ich Muskeln spüren, von deren Existenz ich bisher gar nichts wusste. Und trotzdem oder gerade deswegen will ich das nächste Jahr zweimal die Woche hier im Medicos erscheinen. Ich denke, das wird mir gut tun...

Teil 3 - Regelmäßiges Training


Mein Startgerät ist immer das Trimmfahrrad, hier gilt es mindestens zehn Minuten kräftig zu strampeln. Das sollte eigentlich keine große Sache sein. Vor allem bei Schwierigkeitsstufe 2 von 25. Andere strampeln hier bis zu einer ganzen Stunde und haben einen viel höheren Schwierigkeitsgrad. Trotzdem fließen bei mir auf dem Rad immer schon die ersten Schweißtropfen – und ziemlich hart ist der Sattel auch. Danach geht es zum Gleichgewichtstraining. Nur auf dem rechten Bein stehen oder nur auf dem Linken. Danach jeweils ein Bein abspreizen. Das ganze Ballett mit Blick auf Manuel Neuer - lebensgroß und in Farbe direkt vor mir an der Wand.

 

Der dritte Teil sind immer die Kraftgeräte. Dabei fallen mir die Geräte
leichter, an denen ich mit dem Rücken oder mit den Beinen drücken darf. Eine größere Herausforderungen sind die Fitnessmaschinen für die Arme - zumindest in den ersten Wochen. Da ist zum Beispiel der Ruderzug. Der nimmt mich anfangs ganz schön mit. Mit der Zeit scheinen sich meine Muskeln allerdings wirklich etwas zu kräftigen, und ich schaffe an den meisten Geräten nicht nur gerade so die vorgeschriebenen 15 Übungen, sondern mache freiwillig mehr.
 

Damit mir das ganze Training auf Dauer nicht zu leicht fällt, gibt es dann nach gut vier Wochen eine erste Verschärfung. Ab jetzt darf ich meine Übungen elektronisch überwacht
absolvieren. Das heißt, ich muss meine Bewegungen so durchführen, dass der kleine Punkt auf dem Gerätedisplay sich innerhalb eines engen Korridors bewegt. Ein Videospiel – Ja  aber ein ziemlich schweißtreibendes. Jetzt kann ich die Gewichte nicht mehr einfach kräftig hochziehen und sie dann rasant absetzen. Jetzt muss ich sie gaanz langsam hoch und runter bewegen, gaanz langsam und doppelt anstrengend…


Am Ende meines Fitnessparcours steht dann immer der Crosstrainer. Hier komme ich die ersten Male besonders aus der Puste. Zehn Minuten! Da muss ich mich schon ziemlich zusammennehmen nicht vorher schlapp zu machen. Aber mit der Zeit gewinne ich sogar Spaß an dieser Station und schaffe zum Schluss sogar über 30 Minuten, an dem
Abend als ich mir auf dem Geräte bildschirm parallel „Wer wird Millionär“ anschaue.
Zweimal die Woche sollte so ein Training mindestens stattfinden, damit es einen Effekt hat, sagt nicht nur meine Trainingsbetreuerin. Das ist mir bewusst und so mache ich es auch – meistens zumindest. Manchmal gerate ich eben doch in den Zeitkonflikt zwischen Training, Arbeit, Freizeit und langen Fahrtwegen. Zweimal die Woche? – In einer Woche habe ich Grippe, in einer zweiten schießt mir die Hexe ins Kreuz und in einer dritten muss der BUERANER in den Druck. In den Wochen vor Weihnachten kommt dann der Jahresendstress – allerdings nur zum Teil auf dem Trimmfahrrad. – Jetzt haben wir 2012. Neues Jahr neuer Elan!? – Meine Muskeln und meine Waage bitten mich auf jeden
Fall weiter zu machen...